Mathias Tretter

Mathias Tretter

Quelle: Wikipedia

Mathias Tretter – Politisches Kabarett mit Scharfsinn, Haltung und Pointendichte

Ein Satiriker mit Haltung: vom fränkischen Wortakrobaten zum preisgekrönten Chronisten unserer Zeit

Mathias Tretter, geboren am 19. Mai 1972 in Würzburg, zählt zu den markantesten Stimmen des deutschsprachigen politischen Kabaretts. Seine Musikkarriere im weiteren Sinne – eine Bühne, ein Mikrofon, sprachliche Komposition und dramaturgisches Arrangement – begann in Würzburgs Kleinkunstszene und führte ihn über Ensemble- und Soloformate auf die wichtigsten Kabarettbühnen im deutschsprachigen Raum. Tretter verbindet künstlerische Entwicklung mit analytischer Schärfe: Er spürt den Mechanismen von Populismus, Netzöffentlichkeit und politischer Rhetorik nach, ohne den humanen Kompass zu verlieren. Seine Bühnenpräsenz lebt von präzisem Timing, eleganten Sprachfiguren und der Freude am gedanklichen Kontrapunkt.

Ausgebildet in Anglistik und Germanistik in Würzburg, Edinburgh und Heidelberg, verdichtete Tretter früh literarische und publizistische Erfahrung zu einem satirischen Stil, der sowohl kulturhistorische Einordnung als auch sprachliche Feinarbeit umfasst. In Leipzig fand er seit 2007 eine künstlerische Heimat; parallel wuchsen Radio-, Fernseh- und Bühnenpräsenz. Seine Programme sind feinsinnig arrangierte „Partituren“ politischer Gegenwart, in denen er Tonfall, Dynamik und Motivführung so bewusst setzt wie ein Komponist in der Partitur.

Biografie: Studium, erste Texte, die Entscheidung für die Bühne

Nach dem Abitur studierte Tretter Anglistik und Germanistik und schrieb während des Zivildienstes erste kabarettistische Texte. In Würzburg moderierte er Poetry Slams und Hörspielabende, arbeitete als Literaturkritiker und gab Abendkurse an einer Dolmetscherschule. Diese frühe Phase schulte sein Ohr für Nuancen, seine Aufmerksamkeit für Diskurse und sein Gespür für Dramaturgie. Entscheidend war die künstlerische Entwicklung vom literarischen Beobachter zum Bühnenautor und Solisten, deren Konsequenz er 2003 mit dem Debütprogramm „Die Brille zur Macht“ markierte. Die Musikalität seiner Sprache – Alliterationen, Rhythmuswechsel, Refrain-artige Leitmotive – blieb dabei sein Markenzeichen und prägt bis heute seine „Komposition“ aus Analyse, Satire und szenischer Verdichtung. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Mathias_Tretter))

Im Ensemble geschärft: das Erste Deutsche Zwangsensemble

Von 2004 bis 2014 gehörte Tretter zusammen mit Claus von Wagner und Philipp Weber dem Ersten Deutschen Zwangsensemble an. Aus einem „Best-of“-Konzept entwickelte sich rasch ein eigenständiges Ensemblekabarett mit pointierter Gegenwartsdiagnose und präzisen Arrangements zwischen Sketch, Monolog und choreographierter Gruppendynamik. Die Formation gewann bedeutende Preise – vom Salzburger Stier (2007) bis zum Deutschen Kleinkunstpreis (2010) – und prägte eine ganze Dekade jüngeren politischen Kabaretts. Dass Tretter im Kollektiv ebenso souverän agiert wie solo, schärfte seine Bühnenpräsenz, sein Timing und sein Verständnis für die „Instrumentierung“ von Stimmen im politischen Diskurs. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Erstes_Deutsches_Zwangsensemble?utm_source=openai))

Solo auf der Höhe der Zeit: Programme, die Diskurse vertonen

Tretters Soloprogramme lesen sich wie ein Kanon der Gegenwartsanalyse: „Deutschland. Ein Gummibärchen“ (2006) sezierte Spielarten nationaler Selbstbetrachtung, „Staatsfeind Nr. 11“ (2008) nahm staatliche und gesellschaftliche Reflexe aufs Korn, „…möchte nicht dein Freund sein“ (2011) spürte den sozialen Medien und der Logik digitaler Intimität nach. Mit „Selfie“ (2014/15) gelang ein dramaturgisch dichtes Panorama der Selbstinszenierungskultur, das ihm mehrere Auszeichnungen eintrug. „POP“ (2017) legte die Mechanik des Populismus frei – ein Stück politischer Klangforschung über Refrains, Hooks und rhetorische Grooves öffentlicher Debatten. Diese Werkfolge kulminiert aktuell in „Souverän“, einer hochverdichteten Gegenwartsanalyse zwischen Staatsverständnis, Ausnahmezustand und individueller Selbstbeherrschung, live aufgezeichnet vom WDR. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Mathias_Tretter))

„Souverän“ live: Dramaturgie, Zitatkultur, Sound der Zeit

„Souverän“ nutzt politische Theorie nicht als Kulisse, sondern als dramaturgischen Baustein. Tretter kontrapunktiert das berühmte Diktum vom Ausnahmezustand mit Alltagsbeobachtungen, Mock Quotes und politisch-philosophischen Miniaturen – und bringt so die abstrakte Partitur der Souveränitätsdebatte zum Klingen. Die WDR-Aufzeichnung unterstreicht seine Bühnenreife: eine 100-Minuten-Komposition aus Themenblöcken, Running Gags, thematischen Ostinati und überraschenden harmonischen „Modulationen“ der Argumentation. Pressebesprechungen aus 2025 heben die geistreiche Analytik, die gelungene Balance aus Satire und Nachdenklichkeit sowie die dichte Pointenstruktur hervor. Das Programm demonstriert Tretters Fähigkeit, Diskursmaterial zu „orchestrieren“, ohne die menschliche Dimension zu verlieren. ([www1.wdr.de](https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/unterhaltung-am-wochenende/souveraen-mathias-tretter-100.html))

„NachgeTRETTERt“: Jahresrückblick als live komponierte Gegenwart

Seit Jahren etabliert Tretter mit „NachgeTRETTERt – der satirische Jahresrückblick“ ein eigenes Format: eine veritable Suite aus Politik, Gesellschaft, Popkultur und Medien, live arrangiert mit minimaler Requisite und maximaler sprachlicher Virtuosität. Die Kritiken der jüngsten Ausgabe betonen, wie souverän er Figuren, Zitate und Schlagzeilen in eine erzählerische Dramaturgie montiert. Der Jahresrückblick fungiert als improvisationsoffene Partitur, in der Tretter das Tempo variiert, Themen verkürzt wiederaufnimmt und mit szenischen Crescendi in publikumstragende Finali überführt. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Mathias_Tretter))

Diskografie und Veröffentlichungen: WortArt, EinLächeln, conanima

In der Diskographie spiegelt sich die konsequente Dokumentation dieser Bühnenarbeit: „Deutschland. Ein Gummibärchen“ (2007, WortArt) markiert den frühen Signature-Sound; „Staatsfeind Nr. 11“ (2009, EinLächeln) schärft den politischen Zugriff. Die Ensemble-DVDs „Mach 3!“ (2010) und „Die letzte Tour“ (2011) zeigen Tretters polyphones Arbeiten im Trio. Die Doppelausgaben „…möchte nicht dein Freund sein“ (2012) und „Selfie“ (2015, beide conanima) belegen die kompositorische Reife seiner Solo-Form – mit sauberer Dramaturgie, Klang (Stimmführung, Prosodie) und klarer Textarchitektur. Plattformen wie Apple Music führen Tretter unter „Comedy“, was die Tonträger-Präsenz und kulturelle Reichweite dokumentiert. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Mathias_Tretter))

Auszeichnungen und Kritiken: Autorität durch Werk und Wirkung

Die Liste seiner Preise belegt Autorität und künstlerische Konstanz: vom Bayerischen Kabarettpreis (Sparte Senkrechtstarter, 2008) über den Deutschen Kabarettpreis (Förderpreis 2009, Hauptpreis 2017) bis zum Salzburger Stier (mit Ensemble 2007, solo 2023). Dazu kommen Mindener Stichling (Sonderpreis), Deutscher Kleinkunstpreis (mit Ensemble), der „Gaul von Niedersachsen“, das „Memminger Maul“ für „Selfie“ und regionale Ehrungen. Kritiken aus Rundfunk und Presse würdigen Tretters „atemberaubende Pointendichte“, die sprachliche Präzision und seine Fähigkeit, die „verdummende wie demokratisierende Kraft des Internets“ mit Humor und Klarheit zu beleuchten. Diese Resonanz aus Leitmedien, Festivals und Jurygremien untermauert seine Autorität im Feld politischer Bühnenkunst. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Mathias_Tretter))

Stil, Genre, Technik: Sprachmusik zwischen Rhetorik und Rhythmus

Tretters Expertise zeigt sich im Umgang mit Sprache als musikalischem Material. Er arbeitet mit motivischer Wiederkehr, Tempowechseln, „Breaks“ und leisen Zwischenspielen, bevor er rhetorische Kadenzen setzt. Die Genrezuordnung „Kabarett“ greift bei ihm weit: Er bedient sich stand-up-naher Lockerheit, essayistischer Verdichtung, parodistischer Stimmfarben und dialogischer Rollenwechsel. Komposition und Arrangement seiner Abende folgen einer inneren Dramaturgie, die Themen wie Populismus, Identitätspolitik, Netzöffentlichkeit oder Staatsverständnis zu einem vielstimmigen Ganzen fügt. Tretter meidet die Pose des Moralisten; sein Ton bleibt respektvoll im Zugriff, streng in der Analyse und verspielt in der Form. So entfaltet er eine Bühnenpräsenz, die Fachpublikum und breite Hörerschaft gleichermaßen anspricht. ([www1.wdr.de](https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/unterhaltung-am-wochenende/souveraen-mathias-tretter-100.html))

Kultureller Einfluss: Kabarett als Gegenwartsarchiv

Über zwei Jahrzehnte Arbeit machen Tretter zu einem Chronisten, der Stimmungen einfängt und einordnet. Seine Programme archivieren Diskurse der Zeit: die Überformung des Privaten durch soziale Medien, die Theatralik politischer Kommunikation, die semantische Erosion von Begriffen wie „Souveränität“ oder „Volk“. Dass seine Aufzeichnungen in öffentlich-rechtlichen Medien rotieren und von Regional- bis überregionaler Presse besprochen werden, verstärkt den kulturellen Abdruck. Er verknüpft Erfahrungswissen von der Bühne – Reaktion, Atmung, Publikumsfluss – mit textlicher Expertise, musikähnlicher Strukturierung und einer Vertrauenswürdigkeit, die auf Quellenkenntnis und intellektueller Redlichkeit beruht. ([www1.wdr.de](https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/unterhaltung-am-wochenende/souveraen-mathias-tretter-100.html))

Fernsehen, Radio, Präsenz: ein Repertoire von „Scheibenwischer“ bis „Mitternachtsspitzen“

Im Radio und Fernsehen ist Tretter regelmäßig präsent – von traditionsreichen Formaten wie „Scheibenwischer“ und „Mitternachtsspitzen“ bis zu WDR 5, Deutschlandfunk Kultur und 3sat-Festivals. Diese mediale Vielstimmigkeit öffnet sein Kabarett für verschiedene Hörgewohnheiten: als abendfüllende „Bühnen-Sinfonie“, als Radiokonzert mit Live-Atmosphäre oder als geschnittene TV-Fassung mit fokussierter Bildsprache. Sie trägt zur nachhaltigen Sichtbarkeit seiner Arbeit bei und dokumentiert seine künstlerische Entwicklung in Echtzeit. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Mathias_Tretter))

Aktuelle Projekte und Termine: Tournee-„Partituren“ 2026

Die laufende Tour mit „Souverän“ führt Tretter im Frühjahr und Herbst 2026 durch zahlreiche Städte – vom Münchner Lustspielhaus über Köln, Berlin, Mainz und Nürnberg bis zu regionalen Kulturzentren. Diese Dichte an Auftrittsorten zeigt die Spannweite seines Publikums und seine Verankerung in der lebendigen Kleinkunstlandschaft. Dass das Programm bereits 2025 prominent aufgezeichnet wurde, verleiht der Tour zusätzlich Resonanz: Live-Mitschnitt und aktuelle Bühnenfassung befeuern einander – ein Wechselspiel, das in der Kabarett-„Produktion“ ästhetische Reife und Reichweite zugleich sichert. ([mathiastretter.de](https://mathiastretter.de/))

Fazit: Warum Mathias Tretter heute hören, sehen, erleben?

Tretter macht politische Theorie zugänglich, ohne sie zu banalisieren. Er „komponiert“ aktuelle Themen mit sprachlicher Eleganz, rhythmischer Präzision und einer Haltung, die Humor als Erkenntnismittel ernst nimmt. Seine künstlerische Entwicklung – Solo, Ensemble, Rundfunk – belegt langfristige Relevanz; seine Preise signalisieren Autorität; seine Radio- und Bühnenaufnahmen stehen für Verlässlichkeit und Qualität. Wer die Gegenwart mit scharfem Blick, Witz und Tiefgang erleben will, sollte ihn live sehen: Dort entfaltet sich die ganze Dynamik seiner Bühnenpräsenz – ein Abend, der nachhallt wie ein klug gebautes Finale.

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