Martin Gensbaur

Martin Gensbaur

Quelle: Wikipedia

Martin Gensbaur – Malerei zwischen Ammersee, Alpenraum und italienischer Spurensuche

Ein Künstler, der Landschaft, Architektur und Erinnerung in Bilder verwandelt

Martin Gensbaur, 1958 in München geboren, gehört zu den markanten Stimmen der zeitgenössischen Malerei in Bayern. Als Maler, Kunst- und Museumspädagoge, Kunstdozent und Autor verbindet er künstlerische Praxis mit kunsthistorischer Reflexion und pädagogischer Erfahrung. Sein Lebens- und Arbeitsraum zwischen Dießen am Ammersee, Urfeld am Walchensee und Scarlino in Italien prägt die Bildwelt ebenso wie seine intensive Auseinandersetzung mit Orten, Räumen und atmosphärischen Übergängen.

Seine Arbeiten bewegen sich zwischen unmittelbarer Naturbeobachtung und bewusster Konstruktion von Bildraum. Dabei entsteht eine Malerei, die das Vertraute neu sieht: Tankstellen, Häuser, Plätze, Berglandschaften, Wasserflächen und architektonische Randzonen werden zu Motiven einer präzisen, zugleich poetischen Gegenwartsbeschreibung. Gensbaurs Werk steht damit für eine Kunst, die Wahrnehmung schärft und Alltagsräume in konzentrierte Bildgedanken verwandelt.

Biografische Wurzeln: München, Ausbildung und akademische Prägung

Die künstlerische Laufbahn von Martin Gensbaur begann mit einem soliden akademischen Fundament. Von 1977 bis 1983 studierte er Malerei und Grafik an der Akademie der Bildenden Künste München bei Horst Sauerbruch, Rudi Tröger und Franz Bernhard Weißhaar. Das Studium schloss er mit Diplom sowie dem ersten und zweiten Staatsexamen ab, was seine doppelte Ausrichtung auf künstlerische Produktion und kunstpädagogische Vermittlung früh sichtbar machte.

Ergänzt wurde diese Ausbildung durch Studienaufenthalte an den Universitäten Perugia und Innsbruck sowie am Kunsthistorischen Institut Florenz. Diese Stationen erweiterten nicht nur seinen Blick auf italienische und mitteleuropäische Kunsttraditionen, sondern schärften auch das Bewusstsein für historische Bildräume, die in seiner späteren Malerei immer wieder nachhallen. Schon in dieser frühen Phase verband sich bei ihm handwerkliche Genauigkeit mit kunstgeschichtlicher Wachheit.

Lehren, Vermitteln, Kuratieren: Kunst als öffentlicher Auftrag

Seit 1982 unterrichtete Gensbaur als Kunsterzieher an verschiedenen staatlichen und privaten Schulen. Von 1990 bis 1996 lehrte er Kunstgeschichte an der Universität Eichstätt, Abteilung München, und von 1997 bis 2024 leitete er ein Fachseminar zur Ausbildung gymnasialer Kunstlehrer in München. Diese langjährige pädagogische Praxis gehört wesentlich zu seinem Profil: Gensbaur denkt Kunst nicht isoliert, sondern in Beziehungen zu Bildung, Öffentlichkeit und Vermittlung.

Besondere Bedeutung besitzt das gemeinsam mit seiner Frau, der Kunsthistorikerin Ulrike Gensbaur, betriebene Kunstfenster in Dießen am Ammersee. Die Plattform ist Werkstatt, Ausstellungsort und kultureller Treffpunkt zugleich. Dort finden neben Ausstellungen auch Vorträge, Lesungen, Konzertproben, Workshops und Tage der offenen Tür statt. So entsteht ein lebendiger Ort, an dem Malerei als Teil eines größeren kulturellen Gesprächs sichtbar wird.

Das Kunstfenster: Ausstellungspraxis im öffentlichen Raum

Das Kunstfenster hat sich als nichtkommerzielle Ausstellungsplattform für zeitgenössische Malerei und Fotografie etabliert. Es liegt an einer stark frequentierten Stelle in Dießen und verknüpft Kunst mit dem Alltag des Ortes. Gerade diese Position macht den Reiz des Projekts aus: Die Bilder treten nicht in einen abgeschotteten White Cube ein, sondern in einen Raum, der von Passanten, Ortsbewohnern und kulturell Interessierten gleichermaßen wahrgenommen wird.

Inhaltlich ist das Kunstfenster eng mit Gensbaurs eigener Malerei verbunden. Zahlreiche Ausstellungen und gemeinsame Projekte, auch mit internationalen Gästen, zeigen, wie sehr ihn der Dialog zwischen Bild und Umgebung interessiert. Serien wie „Parallelwelten“, „Parallel zur Natur“ oder spätere Präsentationen mit Themen wie Landschaft, Schatten und Spurensuche belegen eine konstante Suche nach Bildkonstellationen, die Wirklichkeit nicht bloß abbilden, sondern befragen.

Motivwelt und Malerei: Zwischen Naturbeobachtung und gebauter Wirklichkeit

Gensbaurs Werk lebt von der Spannung zwischen natürlicher und gebauter Umgebung. In der Darstellung von Straßenrändern, Parkplätzen, Neubausiedlungen, Tankstellen, Bergkulissen und Wasserlandschaften entwickelt er eine Bildsprache, die das scheinbar Nebensächliche ernst nimmt. Gerade die Randzonen der Wahrnehmung werden bei ihm zum eigentlichen Motivfeld, in dem sich Gegenwart, Erinnerung und Ortserfahrung überlagern.

Charakteristisch ist die Atmosphäre seiner Bilder: Sie sind nicht bloß dokumentarisch, sondern verdichten Situation, Licht und Raum zu einer stillen Dramatik. Die Motive erscheinen häufig im Spannungsfeld zwischen Vertrautheit und Fremdheit, zwischen topografischer Genauigkeit und malerischer Freisetzung. Dadurch gewinnen auch unspektakuläre Orte eine eigentümliche Würde und eine überraschende Präsenz.

Italien, Walchensee, Ammersee: Orte als künstlerische Matrix

Die geografischen Bezugspunkte in Gensbaurs Leben sind mehr als biografische Daten; sie bilden eine künstlerische Matrix. Der Ammersee steht für regionale Verankerung, der Walchensee für alpine Weite, und Scarlino in Italien bringt eine südliche, lichtintensive Komponente in sein Werk ein. Diese Räume erscheinen in seinen Bildern nicht als Postkartenmotive, sondern als verdichtete Erfahrungsorte, an denen sich Natur, Kultur und Erinnerung überlagern.

Besonders in den Arbeiten mit italienischen Bezügen wird deutlich, wie sehr Gensbaur auf lokale Atmosphäre reagiert. Plätze, Fassaden, Wege und Alltagsarchitekturen werden zu Trägern eines stillen Erzählens. Die Malerei nutzt diese Orte nicht zur bloßen Illustration, sondern als Ausgangspunkt für eine präzise Untersuchung von Wahrnehmung, Materialität und Stimmung.

Ausstellungen, Projekte und aktuelle Präsenz

Auch in den jüngeren Jahren blieb Gensbaur mit Ausstellungen präsent. 2025 zeigte die Abtei Venio in München Nymphenburg eine Ausstellung mit dem Titel „Parallelwelten“ beziehungsweise eine Auswahl der Arbeiten im Gartensaal. Die dortige Präsentation versteht sich als Spurensuche und verweist auf jene konzentrierte, reflektierte Malerei, für die Gensbaur steht. Ebenfalls 2025 erschien ein Katalog zur Ausstellung „Möge doch die Zeit kommen… Leben und Bilder von Franz Hermann Lechner“, an dem Martin und Ulrike Gensbaur beteiligt waren.

Im Frühjahr 2025 wurde zudem die Ausstellung „Löcher im Licht“ in Dießen mitkuratiert, wobei Gensbaur mit eigenen Arbeiten vertreten war. Die Schau verband eine Auseinandersetzung mit Schatten, Wahrnehmung und Bildtheorie mit einem ortsbezogenen Zugang, der für sein Schaffen typisch ist. Solche Projekte zeigen einen Künstler, der seine Bildpraxis kontinuierlich mit kunsthistorischen und ästhetischen Fragen verschränkt.

Schriften und kunstpädagogische Autorität

Als Autor und Herausgeber hat Gensbaur seine künstlerische Praxis immer wieder theoretisch gerahmt. Seit 2014 gibt er gemeinsam mit Ulrike Gensbaur die Schriftenreihe „Das Kunstfenster“ heraus, die Ausstellungen begleitet und kunstbezogene Themen dokumentiert. Dadurch entsteht ein Doppelprofil aus Praxis und Reflexion, das in der Kunstszene einen deutlichen Autoritätswert besitzt.

Die Publikationen und Vorträge machen sichtbar, dass Gensbaur Kunst nicht nur produziert, sondern erklärt, vermittelt und historisch einordnet. Seine Tätigkeit im Bereich Museumspädagogik und Lehrerbildung unterstreicht diesen Anspruch zusätzlich. Wer sein Werk betrachtet, begegnet daher nicht nur einem Maler, sondern einem präzisen Beobachter von Bildprozessen und einem erfahrenen Vermittler visueller Kultur.

Künstlerische Handschrift und kultureller Einfluss

Gensbaurs Malerei fügt sich in die Tradition einer reflektierten Gegenstandskunst, die Landschaft, Architektur und Alltagswelt als ernsthafte Bildthemen behandelt. Seine Bildsprache überzeugt durch Konzentration, Raumgefühl und eine feine Balance zwischen Beobachtung und Komposition. Gerade darin liegt seine kulturelle Relevanz: Er zeigt, dass regionale Motive keine Randnotiz sind, sondern ein Zentrum zeitgenössischer Bildfindung bilden können.

Sein Einfluss entfaltet sich nicht nur in Ausstellungen, sondern auch in der Vermittlung von Kunst als öffentlichem Gespräch. Das Kunstfenster, seine Lehrtätigkeit und die kontinuierliche Publikationstätigkeit schaffen ein Netzwerk, das künstlerische Produktion mit kultureller Bildung verbindet. Für die regionale Kunstlandschaft am Ammersee und darüber hinaus ist Gensbaur damit eine prägende Figur mit nachhaltiger Ausstrahlung.

Fazit: Ein Maler mit Blick für das Wesentliche

Martin Gensbaur fasziniert durch eine Malerei, die nicht laut auftritt und gerade deshalb lange nachwirkt. Seine Bilder finden Schönheit im Unscheinbaren, Tiefe im Ortsgebundenen und Spannung im Wechselspiel von Natur und gebauter Umwelt. Wer sich auf sein Werk einlässt, entdeckt eine künstlerische Haltung, die präzise, konzentriert und von hoher kulturhistorischer Sensibilität geprägt ist.

Gerade diese Mischung aus bildnerischer Klarheit, pädagogischer Autorität und räumlicher Erfahrungsdichte macht ihn spannend. Seine Ausstellungen laden dazu ein, Malerei als Ort des Sehens, Denkens und Erinnerns neu zu erleben. Ein Besuch lohnt sich dort, wo Gensbaurs Bilder im Raum stehen und ihre stille Kraft direkt entfalten.

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